Sicht über Gransdorf

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Gransdorf, der Erholungsort in der Waldeifel

Kleine Chronik der Ortsgemeinde Gransdorf 
Der im Jahr 1098 erstmals erwähnte Ort "Grandesdorf" gehört aufgrund seines Namensbestandteils "-dorf-" zu den Siedlungen der fränkischen Landnahme auf der Kalkhochfläche zwischen der Kyll und dem Salm–Wittlicher Wald. Der Ortsname läßt sich aus dem lateinischen Wort "grandis" = groß (Groß-dorf) ableiten. Urkundlich erwähnt wird der alte Pfarrort in einem für das Simeonsstift in Trier von Kaiser Heinrich IV. ausgestellten Schutzbrief von 1098. Die Pfarrgemeinde Gransdorf erscheint erstmals in einer Bestätigungsurkunde, aus dem Jahre 1155, die Papst Hadrian IV ausstellte. 
Luftaufnahme vom 6. März 1957 von Gransdorf
Luftaufnahme vom 6. März 1957
Gransdorf nimmt den östlichen Rand dieser Hochfläche ein; weniger als einen Kilometer ostwärts beginnen die ausgedehnten Waldgebiete des Buntsandsteinrahmens, in die die Gemarkung Gransdorf jedoch nicht weit hineinreicht. Der Ort selbst liegt im Tal des Spanger Baches, der rund vier Kilometer nordwestlich entspringt und bei Gransdorf mit einem weiten Bogen seine Laufrichtung von Ost auf Südwest dreht. Gransdorf gehörte bis 1672 zur Probstei Bitburg, danach zur Herrschaft Bitburg. Im Jahre 1636 wurden nur acht Feuerstätten gezählt, in Jahre 1818 betrug die Einwohnerzahl 287. 
Der Ort selbst ist schon sehr alt. Laut Geschichtsaufzeichnungen ist der Ort zur Schicht, der Prümer Urbar von 893 genannten Siedlungen, zu rechnen. Damit dürfte der Ursprung Gransdorfs schon vor dem neunten Jahrhundert liegen. 

Im heutigen Sinne ist Gransdorf zwar ein kleiner Ort, doch in früheren Zeiten nahm er eine zentrale Stellung ein und hatte gegenüber den umliegenden Dörfern eine übergeordnete Bedeutung. Gransdorf war nämlich schon damals eine Pfarrei, zu der die umliegenden Ortschaften Spang, Dahlem, Binsfeld, Landscheid, Burg, Niederkail, Schwarzenborn, Raskop, Brandenmühle, Altenhof und Gelsdorf gehörten.
Archäologische Ausgrabungen aus dem Jahr 1968, bei denen man auf der Gransdorfer Gemarkung 24 Hügel ausfindig machte, ließen auf ein keltisches Gräberfeld schließen. Einige dieser Gräber wurden freigelegt, darunter auch ein Grab eines keltischen Häuptlings (Wagengrab). Diese Funde gaben zwar keine direkten Auskünfte, lassen jedoch auf eine sehr frühe Besiedlung des hiesigen Raumes schließen.
Im weiteren Verlauf der Geschichte blieb Gransdorf nicht von schweren Schicksalsschlägen verschont. Während des 30-jährigen Krieges mußte ein Drittel der Pfarrangehörigen ihr Leben lassen. Zusätzlich flüchteten noch nach 1648 viele Familien im Nachspiel des Krieges in den Kämpfen zwischen Spanien und Frankreich vor den unerträglichen Brandschatzungen.
Im Jahre 1725 wurde Gransdorf von einem über die Grenzen des Trierer Raumes bekannt gewordenen Unglück betroffen. Damals bewegte sich alljährlich zu einem festgelegten Zeitpunkt eine Bittprozession nach Trier zum Grab des heiligen Apostels Matthias. Hieran beteiligte sich aus jedem Haus möglichst eine Person. Am Morgen des 28.6.1725 bestiegen die Pilger bei Pallien ängstlich eine Fähre um sich nach St. Marien überzusetzen, denn die Mosel führte Hochwasser. Kaum war die Fähre vom Land abgestoßen, sank die Fähre. Laut Geschichtsaufzeichnungen kamen alle Pilger mit dem Pfarrer Konrad Müller aus Trier ums Leben, außer den zwei Burschen, die Kreuz und Fahne trugen. An der Unglücksstelle bei Pallien erinnert noch bis in die heutige Zeit ein Kreuz an diese furchtbare Begebenheit.


Sicht von oben auf Gransdorf, Aufnahme etwa um 2003
Sicht von oben etwa um 2003 
Wirtschaftlich dominierte zu allen Zeiten die Landwirtschaft. Daneben boten lediglich die nahe liegenden Wälder Gelegenheit zu lohnendem Verdienst.
Die Gemeinde Gransdorf war auch zu früheren Zeiten dem durch die Erkenntnis auf den Gebieten der Wissenschaft und Technik bedingten Fortschritt aufgeschlossen. So wurde bereits im Jahre 1907 in Gransdorf die Wasserleitung verlegt. Dieses war damals in ländlichen Gemeinden noch nicht üblich. Diese Leitung wurde in den Jahren 1960 - 1962 erneuert. Zu diesem Zeitpunkt gründeten erstmals die Gemeinden Gransdorf und Oberkail einen Wasserzweckverband. In den einzelnen Haushalten wurden dann Wasserzähler installiert um den Wasserverbrauch genau zu ermitteln und somit die Investitions- und Folgekosten zu finanzieren.

Im Herbst 1919 kam es zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Es war insbesondere der damalige Lehrer Haag, der sich um die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr verdient machte. Ein Gebäude für die Schule im Ort wurde seit Beginn der Schulpflicht errichtet. Im Jahr 1931 wurde an anderer Stelle ein neues Gebäude für die Volksschule mit Badeanstalt, für Schulkinder und einmal wöchentlich für die Bürger der Gemeinde, was zu dem damaligen Zeitpunkt sehr modern war, erstellt. Die Baukosten des Gebäudes beliefen sich damals auf 63000,00 Reichsmark. Dieses Gebäude wurde dann in den Jahren 1961 - 1962 um einen weiteren Klassenraum und einen Turnsaal erweitert. 
Im Jahre 1927 schlossen sich mehrere Musiker zu einer kleinen Gruppe zusammen. Im Jahre 1933 stellten Dirigent Jakob Pelzer aus Eisenschmitt und Brandmeister Matthias May aus Gransdorf eine Feuerwehrkapelle auf. Im Jahre 1952 wurde durch den Dirigenten und ersten Vorsitzenden die Trennung zwischen Feuerwehr und Musikkapelle vollzogen. Unter dem Vorsitzenden Johann Tobi ist im Jahr 1965 aus der Musikkapelle der jetzige Musikverein "Eifelkapelle Gransdorf" entstanden. 
Ebenfalls kann der Kirchenchor auf eine langjährige und fruchtbare Tätigkeit stolz sein.
Der Theaterverein wurde im Jahr 1949 von Jakob Näckel, kurz nach seiner Rückkehr aus russischer Gefangenschaft, gegründet. 

In dem Jahr der Gebietsreform 1970 wurde Gransdorf aus dem Kreis Wittlich ausgegliedert und in den Kreis Bitburg übernommen. Auch wurde im Jahr 1970 die Verwaltung in Oberkail aufgelöst und Gransdorf wurde in die Verbandsgemeinde Kyllburg übernommen. Die Grund- und Hauptschule in Gransdorf wurde im Jahr 1969 aufgelöst. Die Kinder besuchen seitdem in Oberkail die Grundschule. Die Hauptschule wird teilweise in Kyllburg oder in Bitburg besucht, wo auch weiterführende Schulen sind.
Das leer stehende Schulgebäude wurde in den Jahren 1981 / 1982 zu einer Gemeindehalle mit mehreren Räumen und Sälen umgebaut.
Im Jahr 1971 wurde ein neues Feuerwehrgerätehaus mit einem Schulungsraum in der Dorfmitte gebaut. Des weiteren wurde im Jahr 1992 durch Erwerb und Abriss eines leer stehenden Wohnhauses ein Dorfplatz mit Dorfbrunnen gebaut, sowie im Jahr 1995 eine neue Bushaltestelle mit Wartehalle errichtet.


Die Autobahnbrücke über das Tal mit 2 Brücken über die Autobahn
Die Autobahnbrücke über das Tal
mit 2 Brücken über die Autobahn
Eine 2. Flurbereinigung wurde im Jahr 1986 von der Gemeinde beantragt. Bedingt durch den Bau der Autobahn A60, welche teilweise über die Gemarkung Gransdorf führt, hat sich dieses Verfahren bis in das Jahr 2002 hingezogen. Bei dieser Flurbereinigungsmaßnahme wurde unter anderem eine umfangreiche Außenentwässerung in der Feldflur durchgeführt. Die Betriebsflächen für die landwirtschaftliche Nutzung wurden wesentlich vergrößert und der heutigen modernen Bearbeitung angepasst, sowie unter der Aktion "Mehr grün durch Flurbereinigung" wurden 1450 Obstbäume, 340 Laubbäume, 8720 Sträucher und 220 Kletterpflanzen auf der Gemarkung neu angepflanzt. Die ökologische Bilanz dieser Flurbereinigung ist äußert positiv zu bezeichnen.
Die Erschließung des Neubaugebietes "Im Flürchen" wird im Jahre 2003 verwirklicht. Die Gemeinde Gransdorf hat zur Zeit 354 Einwohner. Die Bewirtschaftung der Ländereien der Gemarkung wird nur noch von wenigen hauptberuflichen Landwirten wahrgenommen. Der überwiegende Teil der Bewohner verrichtet eine handwerkliche Tätigkeit in Betrieben der Umgebung. In den letzten Jahren haben sich auch mehrere selbständige Unternehmen im Ort angesiedelt.


Zu dem Ort Gransdorf gehören noch drei weitere Wohnplätze:
Hof-Gelsdorf   liegt auf dem flachen Höhenrücken zwischen Gransdorf und Gindorf. Bei Gelsdorf läst der Namen auf eine Gründung in fränkischer Zeit erschließen. Gelsdorf, im Jahr 1177 (Geuelestorp) als Eigenhof der Abtei Himmerod erstmals urkundlich erwähnt, wurde nach der Säkularisation im 19. Jahrhundert mehrfach geteilt und um einzelne jüngere Gehöfte zu einer weilerartigen Ansiedlung erweitert, doch ist die Gesamtanlage mit mehreren Einzelgebäuden des späten 18. und frühen bis mittleren 19. Jahrhunderts gut erhalten.
Hof Eulendorf   das Hauptgebäude wurde l818 zunächst als großes Quereinhaus neu gebaut, im Laufe des 19. Jahrhunderts aber zum Vierseithof erweitert. Auch bei Eulendorf läst der Name auf eine Gründung in der fränkischer Zeit schließen. Das um 1864 geteilte Anwesen ist eines der größten in der weiteren Umgebung und sowohl in der Anlage wie in den Einzelbauten kaum verändert.
Biermühle   liegt direkt unterhalb der Einmündung des Bierbaches in den Kailbach. Hier steht mit dem Mühlengebäude von 1580 einer der ältesten Profanbauten des Kreisgebietes. Die übrigen Baulichkeiten, zwei Quereinhäuser, weitere Wirtschaftsgebäude und eine kleine Kapelle, stammen aus dem späten 18. und dem 19. Jahrhundert und bilden mit dem Mühlengebäude eine Gesamtanlage, deren Bedeutung durch die unberührte Lage im Kailbachtal noch erhöht wird. Die Bewohner von Biermühle nutzen heute noch zur Trinkwasserversorgung eine Quelle.

Es ist immer wieder eine Bereicherung, etwas über die Geschichte seines Heimatortes und damit auch über ein Stückchen Weltgeschichte zu erfahren; denn wie schon der Philosoph Santayana sagte: Ein Volk, das seine eigene Geschichte nicht kennt, ist dazu verurteilt, sie erneut durchleben zu müssen.

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